Beyond the Wall und andere Abenteuer - das Regelwerk
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Beyond the Wall und andere Abenteuer

Du bist Einsteiger im Pen&Paper-Bereich und möchtest erst einmal ausprobieren, ob dieses tolle Hobby etwas für Dich ist?
Du bist zwar schon länger Rollenspieler, möchtest Dich aber nun als Spielleiter versuchen und bist auf der Suche nach einem einfach zu erlernenden Rollenspielsystem, das Dich nicht mit Regeln erschlägt und Dir einen schnellen und leichten Einstieg ermöglicht?
Du hast nur selten Gelegenheit zum Rollenspielen und kannst nur kurze Runden spielen, da Dir für lange Kampagnen die Zeit fehlt?
Du liebst low fantasy und junge Charaktere?
Wenn Du bei einer dieser Fragen zustimmend nickst, dann ist vermutlich Beyond the Wall etwas für Dich.
Erfahre in meiner Besprechung des Grundregelwerkes dieses ungewöhnlichen Rollenspielsystems alle wichtigen Informationen zum low fantasy Pen&Paper Rollenspiel vom Verlag System Matters.

Finde heraus, wie mir Beyond the Wall gefallen hat und ob das System genau das ist, was Du bereits seit Langem suchst!

Soviel möchte ich schon vorab verraten: Das Rollenspielsystem hält viele Besonderheiten bereit, die einen näheren Blick durchaus wert sind! 🙂

Werbung| Artikel enthält unbezahlte Werbung| Für diesen Artikel wurde mir das Grundregelwerk von Beyond the Wall durch System Matters kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dieser Beitrag spiegelt trotzdem meine ehrliche und individuelle Meinung und meine unbeeinflussten Eindrücke wider. Aus rechtlichen Gründen muss dieser Artikel als Werbung gekennzeichnet werden.

System Matters

Mein Dank an dieser Stelle gilt Daniel Neugebauer dem operativen Geschäftsführer von System Matters, der mir freundlicherweise die PDF-Version des Grundregelwerkes von Beyond the Wall zum Ausprobieren und zur Rezension kostenfrei zur Verfügung stellte.

System Matters fand seinen Ursprung 2009 in einem Rollenspiel-Podcast. 2015 wurde der Verlag in Gelsenkirchen gegründet. Daniel Neugebauer und sein Kollege Patrick Jedamzik (organisatorische Geschäftsführung) haben sich das Credo auf die Fahnen geschrieben gute Spiele bei fairer Entlohnung der Mitarbeiter zu produzieren. Und das, obwohl alle Mitarbeiter nebenberuflich an dem Projekt beteiligt sind. Du und ich wissen wie hart es ist neben der Arbeit noch einer weiteren Tätigkeit nachzugehen. Und jeder kann sich vorstellen wie mühsam es erst ist, wenn diese Tätigkeit mit Deadlines einhergeht und nicht nur einen selbst sondern auch andere Menschen betrifft. Um dies zu schaffen und dabei auch noch richtig gute Arbeit abzuliefern, muss man für seinen Job brennen und voller Leidenschaft zu Werke gehen. Dafür meinen größten Respekt!
Daniel und Patrick bringen nur Publikationen heraus die sie auch unterstützen – die kreativen Köpfe von System Matters sind Idealisten, die neben Beyond the Wall noch andere Spielsysteme wie z.B. Dungeon World oder Schatten des Dämonenfürsten verlegt haben.

Ich wurde 2017 im Rahmen des Gratisrollenspieltags auf den Verlag aufmerksam und war seither beeindruckt von den wunderschönen und einladenden Coverillustrationen der Publikationen und dem Anspruch, den die Mitarbeiter an sich und den Verlag stellen.

Nach der Gründung von www.spielleiter-wissen.de war mir ziemlich bald klar, dass ich gern eines der Werke von System Matters auf meinem Blog vorstellen würde, um Dich auf den Verlag und sein phantastisches Programm aufmerksam zu machen. Und natürlich auch, um ein so tolles Verlagsteam zu unterstützen und ihre Werke bekannter zu machen.
Schau gern mal auf der Internetseite von System Matters vorbei – allein die sympathischen Vorstellungen der Teammitglieder sind es wert, gelesen zu werden!

Übrigens trifft man das Verlagsteam gelegentlich auch auf Cons. 2018 z.B. auf der NordCon oder der RPC. Die DORP hat auf der RPC ein Interview mit System Matters geführt, das ich Dir gern HIER verlinke.

Über die Verlagsseite gelangst Du außerdem zum Verlagsblog, kannst Dich zum Newsletter anmelden oder den erwähnten Podcast aufrufen.

Ich habe vor etwa drei Wochen direkt beim Verlag angefragt, ob ich eines ihrer Rollenspielsysteme testen und auf meinem Blog vorstellen dürfte und erhielt nur wenig später eine super freundliche Antwort von Daniel. Kurz darauf sandte er mir das PDF von Beyond the Wall zu und ich begab mich an die Arbeit.

Mir hat es sehr große Freude bereitet, das Grundregelwerk zu lesen und durchzuarbeiten. Und genauso viel Spaß hatte ich beim Schreiben dieser Buchbesprechung. Ich habe versucht, alle relevanten Informationen für Dich zusammenzutragen damit Du einen umfassenden Einblick in das Rollenspielsystem gewinnen kannst. Ich denke nach dem Lesen meines Beitrags bist Du in der Lage zu entscheiden, ob Du Feuer gefangen hast für Beyond the Wall und ob Du es gern spielen oder spielleiten würdest.

Blogger Arbeitsplatz
Mein Arbeitsplatz – Hier habe ich Beyond the Wall durchgearbeitet

Für weitere Fragen stehe ich Dir gern zur Verfügung, verweise aber auch sehr gern an das liebe und hilfsbereite Team von System Matters.

Kontaktinformationen zum Verlag

Kontakt-email verlag@system-matters.de
URL
: https://www.system-matters.de/ueber-den-verlag/

Beyond the Wall – harte Fakten

Das Rollenspielsystem Beyond the Wall wurde von Flatland Games entwickelt und liegt nun erstmalig als deutsche Übersetzung bei System Matters vor.
Den Autoren dienten dabei die Romane und Welten von Ursula K. LeGuin (Erdsee-Romane), Susan Cooper (Wintersonnenwende-Saga) und Lloyd Alexander (Die Chroniken von Prydain) als Vorbild und Inspiration. Ziel war es ein low fantasy Rollenspiel zu entwickeln in dessen Abenteuern junge unerfahrene Helden ausziehen und sich auf der Mission ihre Heimat zu beschützen beweisen und allerlei Gefahren stellen müssen.

An dieser Stelle kann ich kundgeben: Dieser Anspruch ist durch und durch gelungen! Und damit ist Beyond the Wall bereits im Hintergrundsetting (low fantasy und besonders junge und unerfahrene Charaktere) ein sehr besonderes Rollenspiel mit erfrischend jugendlichem Charme.

Beyond the Wall eignet sich laut System Matters besonders für Neu- und Wiedereinsteiger im Rollenspielbereich. Außerdem taugt das Grundregelwerk zum sofortigen Losspielen ohne lange Vorbereitungszeit.

Auch hier kann ich unumwunden behaupten: Es stimmt! Nach kurzer Einarbeitung und der raschen und unkomplizierten Charaktererstellung kann man losspielen – direkt.
Allerdings sind wenigstens rudimentäre Kenntnisse einer (eigenen oder fremden) Fantasywelt Voraussetzung. Doch wenn man sich – z.B. im Conan-Universum, in der Welt von Erdsee oder auf Mittelerde – gut auskennt, kann man wirklich sofort loslegen. Etwaige Wissenslücken schließt man durch die eigene Kreativität recht unkompliziert und rasch. Es wird im Regelbuch ausdrücklich empfohlen, Hintergründe wie Sprachen, Religionen, Ländernamen etc. gemeinsam in der Gruppe festzulegen. Aber wenn Du als Spielleiter bereits im Vorfeld Lust darauf hast, die weltenspezifischen Informationen zu kreieren, dann tu‘ es einfach! 🙂
Je mehr Spaß und Kreativität Du in Deine Ausarbeitungen investierst, desto bunter und abwechslungsreicher wird eure Spielwelt werden! Die Ideen und Wünsche Deiner Spieler kannst Du kurz vor Beginn der Spielrunde noch immer integrieren.

  • Verlagsbeschreibung: „Beyond the Wall und andere Abenteuer ist ein leichtes und kooperatives Fantasy-Rollenspiel, das einer Spielgruppe all die Werkzeuge in die Hand gibt, um aufregende Abenteuer zu erleben. Ganz ohne lästige Vorbereitung!“

Das Regelwerk beinhaltet alle Regeln sowie mehrere Szenarien und Charaktere, um gleich mit dem Spiel beginnen zu können (Regelwerk, sechs vierseitige Charakterbücher, Buch der Zauber, Spielleiterhandbuch mit Monstern, magischen Gegenständen und Spielleitertipps zum Leiten einer Runde, vier achtseitige Szenarien, eine Dorfkarte). Die Charakterbücher können vom Käufer des Regelwerkes kostenlos von der Verlagsseite heruntergeladen werden, um sie den Spielern während der Spielrunde zur Verfügung zu stellen.

Autoren: Flatlandgames, Stefan Droste, Andreas Melhorn, Daniel Neugebauer
Illustratoren: Jon Hodgson, Erin Lowe, Larry MacDougall, Seth Meeks, Kristina Kister, Marc Meiburg sowie Public Domain Illustrationen gesammelt und publiziert von The British Library
Seitenanzahl: 168
Einband: hardcover
ISBN: keine
Auflage: Zweite
Preis hardcover: 24,95€
Preis ebook: 12,49€

Ich finde es etwas schade, dass das Buch keine ISBN besitzt, denn somit ist es natürlich auch nirgendwo anders erhältlich als im Shop des Verlags. Es ist zwar rein gar kein Problem, es direkt beim Verlag zu bestellen, jedoch ist es der Reichweite eines Produktes natürlich nicht unbedingt zuträglich, die Verfügbarkeit so einzuschränken. Auf der anderen Seite werden Verlage von den großen Buchhändlern mit so großen finanziellen Belastungen traktiert, dass der Verkauf von Büchern oftmals einem Verlustgeschäft gleicht. In diesem Sinne kann ich die Entscheidung von System Matters, das Buch nur im eigenen Shop anzubieten, durchaus nachvollziehen.




Die nüchternen Tatsachen

Das Grundregelwerk zu Beyond the Wall besitzt ein zauberhaftes, inspirierendes Cover mit einer Szene, die jeden Rollenspieler sofort ins Schwärmen und Träumen geraten lässt. Und ich muss zugeben, das Motiv – bzw. die Idee die mir beim ersten näheren Betrachten des Bildes in den Kopf gekommen ist – werde ich in meiner nächsten Abenteuerausarbeitung verarbeiten.
Ich habe mich richtiggehend in das Bild verliebt! Und ich kann Dir gar nicht sagen, was für eine ausführliche Abenteueridee mein Kopf allein beim Betrachten dieses Bildes entworfen hat. Ich liebe solche kleinen Sprengsel im Leben – wie Bilder, Lieder, Gefühle usw. – die einem wie zufällig begegnen, aber wie von selbst im Kopf sofort die Mühlen der Kreativität einschalten.
Die farbliche Gestaltung des Coverbildes ist dabei vornehmlich in Grün gehalten was perfekt zu der Gesamtaufmachung des Regelwerkes passt.

Im Inneren des Regelwerkes finden sich neben grau melierten Seiten etliche Illustrationen und Verzierungen diverser Illustratoren und Zeichner. Diese sind nicht nur äußerst liebevoll und teils modern, manchmal aber auch richtig schön oldschool gestaltet sondern ausnahmslos im gleichen Grünton gehalten. Zugegeben, mir hätten farbige Illustrationen besser gefallen, doch wenn man sich einmal eingelesen hat im Beyond the Wall Grundregelwerk übersieht man die Farbgebung schnell und wendet die Aufmerksamkeit hin zu den malerischen Motiven, die einen sofort vom nächsten Abenteuer träumen lassen.

Eine der wunderschönen Illustrationen im Beyond the Wall Grundregelwerk
Eine der wunderschönen Illustrationen im Beyond the Wall Grundregelwerk

Besonders schön finde ich, dass viele Illustrationen unmittelbar mit dem jeweiligen Seitentext verknüpft sind und man damit direkt ein Bild von dem vor Augen hat, was man gerade liest.
Gerade den Mix an verschiedenen Zeichenstilen empfinde ich als sehr erfrischend und inspirierend und habe mir die Bilder ausgesprochen gern angesehen!

Im Buch selbst sind Texte und Überschriften stimmig designed und sinnvoll in Abschnitte unterteilt. Kleine Boxen heben wichtige Passagen hervor und informieren, geben Tipps oder Anregungen. Das Seitenlayout des Regelwerkes ist durch und durch gelungen. Man findet auf Anhieb was man sucht und selbst längere Texte sind durch die Boxen und die Illustrationen auf hübsche und ansprechende Weise aufgelockert.

Das Inhaltsverzeichnis

Das Inhaltsverzeichnis strukturiert das Beyond the Wall Regelwerk in folgende Abschnitte:

BUCH I – Regelwerk
Wie man spielt (5 Seiten)
Regelwerk (4 Seiten)
Charaktererschaffung (4 Seiten)
Geld und Ausrüstung  (Waffen, Rüstungen, Essen und Unterkunft, Lichtquellen, Vieh und Transport, Gefolgsleute und Verbündete) – 4 Seiten
Würfeln (3 Seiten)
Kämpfen (2 Seiten)
Wahre Namen (1 Seite)
Erfahrung (1 Seite)
Zauberei (3 Seiten)
Buch der Zauber (Zaubertricks, Rituale, Zaubersprüche) – 22 Seiten
Optionale Regeln (3 Seiten)

BUCH II – Spielleiterhandbuch
Das Spiel leiten (5 Seiten)
Schätze (4 Seiten)
Bestiarium (Monster A-Z, Goblins erschaffen, Drachen erschaffen, Dämonen erschaffen) – 28 Seiten

BUCH III – Anhänge
Charakterbücher (Dorfheld, Hexenschüler, junger Waldläufer, Magierdilettant, möchtegern Ritter, unerprobter Dieb) – 21 Seiten
Szenarien (Feenhandel, Die Troll-Saga, Die verärgerten Feen, Der geheime Kult) – 24 Seiten
Dorfkarte
Charakterbogen

Bei der Übersicht über das Inhaltsverzeichnis werden auf einen Blick zwei Punkte deutlich: Zum einen, dass das Grundregelwerk wirklich alle notwendigen Kapitel beinhaltet, die ein Rollenspielregelwerk braucht. Und zum anderen, dass einige Kapitel auf ziemlich wenigen Seiten daherkommen.

Ob das Grundregelwerk trotzdem alle Informationen bereithält oder ob es etwas missen lässt, erfährst Du gleich!

Beyond the Wall – Das Grundregelwerk

Beyond the Wall - Grundregelwerk - Cover
Beyond the Wall – Grundregelwerk –  Das zauberhafte Cover

Das Vorwort

Im Vorwort heißt es, dass man ohne große Vorbereitung als Spielgruppe nach bereits etwa vier bis fünf Stunden mit dem Spiel loslegen kann. Durch die Werkzeuge zur einfacheren Vorbereitung von Charakteren und Szenarien möchte Beyond the Wall eine Lücke füllen, die andere Rollenspielsysteme oftmals aufweisen und die vor allem unerfahrene Spieler und Wiedereinsteiger häufig mit stundenlangen Vorbereitungsarbeiten konfrontiert.
Die Autoren schreiben außerdem, dass die Szenarien für Beyond the Wall tendenziell eher auf kürzere Spielrunden von 3-5 Stunden ausgelegt sind. Obwohl sie – wie fast jeder Rollenspieler – lange Runden und Kampagnen lieben haben sie feststellen müssen dass sie, je älter sie werden, immer weniger Zeit finden, um sich gemeinsam zum stundenlangen Rollenspiel zu treffen. Beyond the Wall mit seinem handlichen und leicht transportablen Regelwerk und dem Angebot zum sofortigen Losspielen liefert diesen Umständen natürlich auf wunderbare Weise ein Lösung.

Ob sich Beyond the Wall wirklich so spontan spielen lässt und ob man als Neueinsteiger tatsächlich so schnell in die Regeln einsteigen kann, habe ich für Dich gestestet.

Doch zuvor möchte ich Dir gern berichten, welche Inhalte das Regelwerk von Beyond the Wall zu bieten hat.

Hintergrund

Mit Beyond the Wall hat System Matters ein Rollenspielsystem vorgelegt, das sich explizit auch an junge Spieler, an frischgebackene Rollenspieler und an Neu- und Wiedereinsteiger richtet. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass alte Hasen und erfahrene Rollenspieler keine Freude an Beyond the Wall haben können oder dass das System in ihnen keine Leidenschaft entfachen könnte. Die Aussage bezieht sich schlichtweg darauf, dass Beyond the Wall ohne tausende Seiten Regelwerk auskommt, die manch einen Einsteiger abschrecken könnten.
Hier fehlt gleich auf den ersten Blick das, was viele andere Rollenspielsysteme ausmacht: Ein Sammelsurium an Regel- und Quellenbüchern, Weltbeschreibungen, Kartensets, Zauberspruchbänden, Bestiariumsalmanachen, Charaktergenerierungsanleitungen und was der Dinge mehr sind. Während es Rollenspielsysteme gibt für die sich insbesondere der Spielleiter im Vorfeld der ersten Runde bändeweise Regelmaterial aneignen oder wenigstens durchlesen muss, kommt Beyond the Wall erfreulich knackig und kompakt daher.

Im Grundregelwerk finden sämtliche Informationen Platz die man benötigt, um die Spielwelt (mit Waffen, Kreaturen und Magie) kennen zu lernen, die Regeln zu verstehen, Charaktere und Szenarien zu erstellen, Monstren zu entwerfen und ziemlich bald ins Spiel einzusteigen.
Wichtig zu wissen ist an dieser Stelle, dass Beyond the Wall zwar ein System und Szenarien bietet, aber keine Fantasywelt. Man findet hier weder Länder noch Kulturen, keine Sprachen, keine Götter und keine Historie. Wer Beyond the Wall spielen möchte, muss das System entweder in ein bestehendes Rollenspieluniversum, ein Romansetting bzw. eine Computerspielwelt  integrieren oder die Szenarien in eine selbst ausgedachte Fantasywelt einbetten. Dazu können existierende Rollenspielwelten ebenso dienen wie Welten aus Romanen oder Filmen und natürlich frei erfundene neu geschaffene Universen. Damit spart sich das Regelwerk natürlich einigen Platz und Erläuterungen, der dadurch frei ist für andere Informationen.

Ich habe mich beim Durchlesen des Grundregelwerkes, nachdem ich festgestellt hatte, dass keine Weltenbeschreibung enthalten ist ernsthaft gefragt, was ich davon halten soll. Bisher habe ich lediglich Rollenspiele gespielt denen eine Welt zugrunde liegt und für die Autoren in mühsamer Kleinarbeit hunderte von Ländern, Völkern, Kulturen, Historien, Geographien oder Religionen ausgearbeitet haben. Ich bin es gewohnt, im Spiel auf etliche Karten von Welten, Ländern, Städten und Dörfern zurückgreifen zu können. Und ich liebe es, in Quellenbüchern zu stöbern, mehr über „meine Fantasywelt“ zu erfahren und mich für neue Abenteuer von den Texten und Illustrationen inspirieren zu lassen.

Da ich nun nichts dergleichen in Händen hielt, war mein erster Eindruck: „Das gefällt mir nicht“. Aber mein zweiter Eindruck korrigierte diesen ersten Eindruck und zwar hin zu der Frage: „Wieso stolperst Du über diesen Punkt? Ist es nicht einfach nur die Gewohnheit, die Dich diesen neuen Ansatz seltsam und daher als unangenehm empfinden lässt?“
Ich überlegte, ob der Ansatz von Beyond the Wall nicht auch positive Seiten hat oder möglicherweise sogar vorteilhafter ist als der der bekannteren Rollenspiele wie DSA oder MIDGARD, die fertige Fantasywelten liefern.
Und nachdem ich eine Weile über die Frage nachgedacht hatte, kam ich zu dem Schluss, dass ich zu beiden Ansätzen einige Vorteile aber auch Nachteile auflisten kann, die sich ziemlich die Waage halten. Und dass es am Ende – wie so oft – der ganz persönliche Geschmack ist, der darüber entscheidet, ob man diesen oder jenen Ansatz mehr schätzt.

Rollenspielsysteme ohne eigene Welt

Positiv empfinde ich, dass man die Regeln des Systems in jede nur erdenkliche Welt implementieren kann in der man sich auskennt. Du liebst die Witcher-Spiele am PC? Dann siedele Dein Abenteuer dort an. Du kennst Mittelerde wie Deine Westentasche? Schon kennst Du einen tollen Schauplatz für Deine Spielrunden!
Aber auch wenn Du nicht immer auf derselben Welt spielen sondern vielleicht Aventurien, Westeros oder Faerûn mithilfe von Teleportationsportalen miteinander verbinden möchtest, um mal hier und mal dort Abenteuer erleben zu können, eignet sich ein System ohne festgelegte Welt hervorragend für Dich.
Und zu guter Letzt werden Weltenbauer ihre wahre Freude daran haben, ein fertiges Rollenspielsystem in ihre Welt integrieren zu können.

Negativ dagegen ist, dass man sich in der gewünschten Welt am besten recht gut auskennen sollte. Und dies bringt im Vorfeld des Spiels einigen Aufwand und zuweilen auch Kosten mit sich. Wer Mittelerde richtig gut kennen lernen möchte, dem genügt es vermutlich nicht, die Herr der Ringe Filme einmal im Kino gesehen zu haben. Und wer sein Abenteuer in der Welt von Geralt dem Hexer ansiedeln will, kommt nicht umhin, neben dem Computerspiel auch die Romane von Andrzej Sapkowski zu kaufen. Doch selbst, wer sich intensiv mit einer Welt beschäftigt kommt meist nicht umhin, die vielen Informationen mühsam selbst zusammenzutragen – eine handliche Aufbereitung wie bei existierenden Rollenspielwelten gibt es für Roman-, Film- und Computerspielwelten meist nicht. Und wer eine vorhandene Rollenspielwelt zum Hintergrund erkürt, könnte theoretisch auch direkt nach den dazu gehörigen Regeln spielen.
Ein Weltenbauer kommt dagegen meist ohne Kostenaufwand aus, benötigt dafür aber zuweilen richtig viel Zeit. Es müssen Erdkonzepte erstellt, Karten gezeichnet, Sprachen entwickelt und Völker angesiedelt werden. Orte wollen platziert, Städte ausgearbeitet werden und die Welt mit Leben gefüllt, mit Göttern bedacht und mit Besonderheiten ausgestattet werden. Um eine konsistente Welt zu erschaffen, bedarf es jahrelanger Arbeit.

Rollenspielsysteme mit eigener Welt

Positiv daran finde ich, dass man eine vergleichsweise umfangreiche Welt erhält, in der nur noch wenige Lücken vom Spielleiter gefüllt werden müssen und über die wahnsinnig viele Informationen vorliegen, die es jedem einfach macht, sich vorzustellen, wie sich welches Volk oder Land darstellt. Professionelle Autoren sind hier am Werk und liefern im Idealfall in schöner Regelmäßigkeit neue Ausarbeitungen und Materialien. Karten, Wappen, Sprachen, historische Entwicklungen usw. liegen bereits vor, wenn Du ins Spiel einsteigst.

Negativ ist, dass man an eine Welt gebunden ist, da Welt und Regelwerk miteinander verschmolzen sind. Man kauft nicht etliche teure Regelwerke und Weltenbeschreibungen, bloß um hinterher in einer anderen Welt zu spielen. Das würde auch keinen Sinn ergeben. Manchmal finden sich im Laufe der Zeit so viele Dinge auf und in dieser Welt die einem nicht gefallen, dass man sie kaum mehr dem eigenen Geschmack anpassen kann, ohne zu sehr ins Spielgleichgewicht einzugreifen und ohne zu weitreichende Konsequenzen loszutreten.

Meine finale Meinung (zum heutigen Zeitpunkt) zu diesem Aspekt ist: So sehr ich fertig ausgearbeitete Fantasywelten auch liebe und so sehr ich es auch genieße, in umfangreichem Quellenmaterial zu lesen, mich in Karten zu verlieren und die Welt durch engagierte Autorenteams mehr und mehr wachsen zu sehen – für Beyond the Wall ist genau der Ansatz, den die Autoren gewählt haben der richtige!
Bei dem Anspruch der an das System gestellt wird, wäre eine ausgearbeitete Hintergrundwelt fehl am Platz und das schlanke Moment des Rollenspiels würde sich verlieren, wenn nun etliche weitere Regel- und Quellenbücher hinzukämen und vor dem ersten Spiel gelesen werden müssten. Dann könnten junge Rollenspieler von Türmen aus Büchern eher abgeschreckt werden und keine Spielrunde könnte nach wenigen Stunden bereits ins Abenteuer starten. Dafür, dass Beyond the Wall seinen eigenen unverwechselbaren Charakter gewinnt, sorgen die umfangreichen und liebevollen Ausarbeitungen von Zauberbuch und Bestiarium.
Also bleibt mir auch an dieser Stelle nur zu sagen: Alles richtig gemacht!

Die einzelnen Kapitel sind recht kurz gehalten, was auf den ersten Blick verwunderlich erscheinen mag. Vergleicht man beispielsweise das insgesamt vierseitige Regelwerk mit den hunderte Seiten umfassenden Regelbüchern anderer Systeme, könnte man den Eindruck haben, hier wurde am Inhalt gespart. Doch den Autoren von Beyond the Wall ist es gelungen, auf diesem begrenzten Raum sämtliche Regeln unterzubringen die man benötigt, um das Rollenspiel zu spielen.

Was benötigt man zum Spielen von Beyond the Wall?

Natürlich das Regelwerk und eine Spielergruppe 😉
Und dazu, wie üblich, Notizpapier, Bleistifte und ein paar Würfel. In diesem Fall je einen W20, W12, W10, W8, W6 und W4. Vom W6 werden pro Spieler vier Stück empfohlen, da man sie häufiger im Spiel einsetzen wird. Ich finde es übrigens großartig, dass das System von Beyond the Wall auf gleich sechs verschiedene Rollenspielwürfel zurückgreift. In den klassischen Würfelsets sind meistens sieben verschiedene Würfel (in der Auswahl oben fehlt noch der W100, ein zehnseitiger Würfel, der alle Zehnerzahlen von 00 bis 90 zeigt) vorhanden. Während man in vielen Rollenspielsystemen nur wenige oder manchmal gar nur einzelne (wie einen W10 oder einen W6) Würfel verwendet, benötigt man bei Beyond the Wall beinah den gesamten Würfelpool. Das finde ich wirklich spitze – hier macht Beyond the Wall definitiv einiges richtig!

Verschiedene Würfel fürs Rollenspiel
Verschiedene Würfel fürs Rollenspiel

Außerdem benötigt man natürlich für jeden Spieler einen Charakter. Die Autoren empfehlen, die im Grundregelwerk beschriebenen Charakterbücher zu verwenden, damit die Charaktere einen gemeinsamen Hintergrund haben und aus demselben Dorf stammen. Außerdem benötigt auf diese Weise die Charaktererschaffung höchstens eine Stunde Zeit, während das freie Erfinden von Charakteren durchaus deutlich länger dauern kann.

Die Charaktergenerierung

Jedes Charakterbuch enthält im ersten Teil drei Tabellen mit der man auswürfeln kann, was der Charakter während seiner Kindheit erlebt hat.

Blick ins Charakterbuch des jungen Waldläufers
Blick ins Charakterbuch des jungen Waldläufers

Die Autoren betonen die Vorteile davon, wenn mehrere Charaktere ähnliche Punkte auswürfeln, da dieselben Hintergründe eine gute Verbindung zwischen den Charakteren schaffen können. So könnten zwei Charaktere beispielsweise Geschwister sein oder bereits seit frühester Kindheit befreundet. Eine solche Bindung stellt sich natürlich auch im Laufe des folgenden Spiels als äußerst nützlich heraus.
Im zweiten Teil befinden sich vier weitere Tabellen anhand derer die Spieler auswürfeln, wie die weitere Laufbahn ihres Charakters verlief. Wie wurde er zu dem was er heute ist? Was ist ihm auf seinem Weg zum Dieb oder zum Magier widerfahren? Mit wem hat er die Zeit verbracht, von wem hat er gelernt? Außerdem erfahren die Spieler in diesem Abschnitt mehr über das Heimatdorf ihres Charakters.
Der dritte Teil der Charaktergenerierung schließlich hebt sich von den beiden vorherigen insofern ab, dass er nicht nur den eigenen Charakter sondern auch einen weiteren Charakter der Spielrunde betrifft. Hier wird würfelnd in Erfahrung gebracht, in welcher Verbindung die Charaktere zueinander stehen und was sie bereits miteinander erlebt haben.
In der vierten und letzten Tabelle schließlich erhält der Charakter einen besonderen Gegenstand wie z.B. ein Haus, ein paar Münzen oder ein magisches Artefakt.




Im Laufe der Charaktererstellung sammeln die Charaktere Attributspunkte welche ebenso wie die frei gewählte Gesinnung, die Klassenfähigkeiten, Zauber- und Waffenfertigkeiten, erlernte Sprachen, Schicksalspunkte, Ausrüstung usw. in das Charakterblatt eingetragen werden.

Das Charakterblatt von Beyond the Wall
Das Charakterblatt von Beyond the Wall

Durch das Würfeln in den Tabellen besitzt am Ende der Charaktergenerierung jeder Spieler einen fertigen Rollenspielcharakter mit fertiger Hintergrundgeschichte.
Bevor man losspielt, darf jeder Spieler für das gewählte Szenario noch ein kürzlich stattgefundenes Ereignis auswürfeln, damit man weiß mit welchem akuten Hintergrunderlebnis man in das Abenteuer startet.

Die Charakterklassen

Beyond the Wall unterscheidet grob drei Charakterklassen:

– Kämpfer
– Schurken
– Magier

Wie in anderen Rollenspielsystemen wird den meisten Nichtspielerfiguren keine Klasse zugewiesen – es sei denn, sie sind besonders wichtig für das Spielsetting oder besonders erfahren.

Die Grade oder Level, die die Charaktere erreichen können, nennen sich bei Beyond the Wall Stufen. Ein Charakter der Stufe 1 gilt als erfahrener als ein normaler Mensch, jemand mit Stufe 5 ist bereits sehr erfahren und kompetent auf seinem Gebiet. Und ein Charakter der Stufe 10 schließlich ist ein unangefochtener Meister seines Faches.

Die Dorfkarte

Im Anschluss an die Charaktergenerierung empfiehlt es sich, eine eigene Dorfkarte zu zeichnen. Eigens für diesen Zweck liegt dem Buch ein Handout bei, auf dem man den Grundriss des Dorfes skizzieren kann. Hier ist Raum, um den Namen des Dorfes und wichtige Personen einzutragen  und nach eigenem Geschmack Gebäude und Wege einzuzeichnen. Vorgegeben auf der Karte ist lediglich eine Taverne die hier in der Mitte des Blattes eingetragen wurde.

Dorfkarte Beyond the Wall
Dorfkarte von Beyond the Wall mit Taverne

Wie bei allen Rollenspielhandouts die man in Regel- und Quellenbüchern finden kann, empfiehlt es sich natürlich auch hier, sich mehrere Kopien des Bogens zu machen und nicht direkt ins Buch zu zeichnen, da die Karte sonst nach einmaligem Einsatz unbrauchbar wird.

In jedem Spielerbuch, also in den Charaktererstellungsbüchern finden sich Orte und wichtige Personen die man in die Karte eintragen sollte. So tragen Spielleiter und Spieler im Vorfeld der Spielrunde alle Gebäude und NSCs in die Karte ein, die ihnen im weiteren Verlauf des Spiels weiterhelfen oder nützlich sein können.
Es dürfen aber auch Orte ausgewürfelt oder frei erfunden werden. Jeder zeichnet und trägt ein wovon er glaubt, dass dies gut zu seinem Charakter passt oder ihn geprägt hat.

Dem Spielleiter obliegt es nun, die von den Spielern ausgesuchten oder gar erfundenen Orte und NSCs in seine Notizen aufzunehmen, um sie während des Spiels in Erscheinung treten lassen zu können.

Das Regelwerk

Das Regelwerk beschreibt zunächst die Charakterklassen und die zu erreichenden Stufen. Dann folgen Erläuterungen zu den Attributen eines Charakters, die den klassischen Rollenspielattributen wie Intelligenz, Konstitution, Weisheit etc. entsprechen.
Anschließend werden verschiedene Gesinnungen beschrieben und Begriffe wie Initiative, Angriffsbonus und Rüstungsklasse erklärt.
Darauf folgen Beschreibungen zu Trefferpunkten und Rettungswürfen samt möglicher Veränderungen und Modifikationen. So steigen beispielsweise die Trefferpunkte, welche die Zähigkeit eines Charakters darstellen, mit jeder gewonnen Stufe um einen bestimmten erwürfelten Faktor an.
Zu guter Letzt beschreibt das Regelwerk die Schicksalspunkte, die es einem Spieler ermöglichen einen unglücklichen Wurf zu wiederholen und erläutert die Werte von Nichtspielerfiguren.

Im Anschluss an das Regelwerk findet man eine Übersicht zur Charaktererstellung mit Erläuterungen zu Punkten wie „Attributen“, „Sprachen“ oder „Ausrüstung“.
Da Beyond the Wall keine Kampagnenwelt bietet, wird hier darauf hingewiesen, dass sich Spieler und Spielleiter zunächst auf eine Kampagnenwelt einigen müssen, um beispielweise zu definieren, welche Sprachen überhaupt erlernt und gesprochen werden können.

Die Informationen zu den einzelnen Charakterklassen und ausführliche Detailbeschreibungen zu Geld, Ausrüstung, Essen und Unterkunft sowie Gefolgsleuten und Verbündeten folgen direkt im Anschluss. Hier findet man wertvolle Informationen zu Kosten und Preisen. Die Übernachtung in einer netten Herberge kostet beispielsweise eine Silbermünze. Da jeder Charakter bei seiner Generierung 4W6 Silbermünzen erhält, kann er sich mindestens vier Übernachtungen dort leisten 😉
Außer Silbermünzen gibt es in der Welt von Beyond the Wall auch noch Kupfer- und Goldmünzen. Das Grundregelwerk gibt einen Umrechnungskurs vor.

Im hinteren Teil des Buches folgt noch ein weiteres Kapitel zu den Regeln. Dieses nennt sich „optionale Regeln“ und beinhaltet verschiedene Ansätze und Regeln, die man zwar nicht benötigt, um Beyond the Wall spielen zu können, die aber von vielen Spielern mutmaßlich gern verwendet werden. Mit diesen Regeln kann man beispielsweise nichtmenschliche Charaktere wie Zwerge, Halblinge oder Elfen generieren, das Kampfsystem den eigenen Vorlieben anpassen oder Charakterklassen miteinander kombinieren. Dieses Kapitel ist meiner Meinung nach höchst sinnvoll und braucht sich in meinen Augen nicht im Buch zu verstecken. Würde es dieses Kapitel nicht geben, wäre eine meiner ersten Vorbereitungen für Beyond the Wall eine Hausregelausarbeitung, die besonders die Verwendung nichtmenschlicher Rassen und Doppelcharakterklassen klärt. Denn was wäre ein Fantasyrollenspiel ohne Elfen &Co?
Und selbst, wer keine Charakterklassen miteinander kombinieren möchte, kann als Spielleiter davon profitieren, aus einem größeren Fundus an verfügbaren Nichtspielerfiguren wählen zu können.

Das Würfeln

Das nächste Kapitel ist sicherlich eines derjenigen, das eingefleischte Rollenspieler am meisten interessiert: Es dreht sich ums Würfeln und beschreibt, wann bei Beyond the Wall welche Würfel zum Einsatz kommen und in welchen Szenen im Rollenspiel welche Werte und Fertigkeiten überhaupt würfeltechnisch zur Disposition stehen. Natürlich wird auch auf Boni und Mali, also auf positive und negative Würfelmodifikatoren eingegangen.
Möchte man beispielsweise eine Attributsprobe würfeln, würfelt man mit einem W20. Damit die Probe gelingt, darf das Würfelergebnis höchstens so hoch sein wie das Attribut des Charakters. Liegt das Ergebnis darüber, gilt die Probe als gescheitert.

Direkt im Anschluss an dieses Kapitel widmet sich Beyond the Wall dem Kampf. Hier wird sehr ausführlich erläutert, wie das Kämpfen im Rollenspiel funktioniert, wer wann an der Reihe ist, wie ein Angriff erfolgt und was passiert, wenn die Attacke erfolgreich ist. Auch die Sterberegeln sind in dieses Kapitel eingegliedert – ebenso wie die Regeln zur Heilung von Wunden, die auch bei Beyond the Wall lebensrettend sein kann.

Der Wahre Name

Vielleicht ist Dir der Begriff schon in anderen Rollenspielsystemen begegnet? Bei mir jedenfalls ließ die Überschrift gleich das berühmte Glöckchen im Ohr klingeln. Allein die Kapitelüberschrift klang bereits nach wirkmächtiger Magie, nach weisen Zauberern und großen Gefahren durch Fremdbestimmung. Neugierig stöberte ich in das Kapitel hinein, um zu erfahren, was sich bei Beyond the Wall hinter dem wahren Namen verbirgt.

Während in den Rollenspielsystemen, in denen ich über die Verwendung von wahren Namen gestolpert bin, jede Kreatur einen wahren Namen besitzt und diesen oftmals nicht einmal kennt, besitzen Menschen bei Beyond the Wall üblicherweise keinen wahren Namen. Hier besitzen Drachen, Zwerge, Dämonen oder Geister wahre Namen. Diese sind den einzelnen Kreaturen bekannt, aber sie halten sie aus verschiedenen Gründen zurück – z.B., weil diese Namen angsteinflößend oder unaussprechlich sein können.
Menschen können jedoch in einer Zeremonie einen wahren Namen erhalten – die Spieler entscheiden, ob ihr Charakter einen solchen Namen erhalten hat und wie er lautet.

Wie auch bei anderen Rollenspielen üblich, kann auch bei Beyond the Wall der wahre Name eines Wesens genutzt werden, um Kontrolle über ihn zu erlangen und in besonderer Weise auf ihn einzuwirken. Regeltechnisch bedeutet dies, dass derjenige der einen wahren Namen laut ausruft, Boni auf seine Angriffe gegen das Wesen erhält. Andererseits vergibt das Regelwerk auch Boni für Charaktere die einem Freund helfen möchten und währenddessen seinen wahren Namen aussprechen.

Erfahrung

Zu guter Letzt klärt das Regelwerk, wie die Charaktere während des Spiels Erfahrungspunkte sammeln, wie man eine Stufe aufsteigt und welche Konsequenzen das nach sich zieht. Wie allgemein üblich sammeln die Charaktere auch bei Beyond the Wall Erfahrungspunkte für besiegte oder überwundene Gegner, gelöste Aufgaben und beendete Abenteuer. Im Bestiarium des Grundregelwerkes werden praktischerweise die Erfahrungspunkte eines jeden Wesens gleich mitgeliefert.

Zauberei

Das magische Handwerk bei Beyond the Wall findet auf drei verschiedenen Wegen statt: Mit Zaubertricks (der schwächsten Form der Magieanwendung die im Spiel spontan und an Ort und Stelle gewirkt wird),  mit Zaubersprüchen (etwas machtvoller als Zaubertricks aber schwächer als Rituale), mit Ritualen (die mächtigste Form, um Magie auszuüben aber zugleich auch die zeitaufwändigste).

Zauberei bei Beyond the Wall
Ein Zauberer – ist diese Illustration nicht herrlich schön?

Das Kapitel über die Zauberei beschreibt nicht nur ausführlich und anschaulich die Unterschiede zwischen den drei Magieformen sondern erklärt auch, wie häufig ein Zauberer welche Zauberarten anwenden kann, wie Tricks, Sprüche und Rituale erlernt und angewendet werden und was geschieht, wenn einem Zauberer ein Patzer unterläuft.
So können Zauberer beispielsweise pro Tag nur so viele Zaubersprüche anwenden, wie dem Wert ihrer aktuellen Stufe entspricht.

In diesem Kapitel wird explizit darauf hingewiesen, dass es auch möglich ist, eigene Zaubersprüche zu entwerfen oder die bereits vorhandenen Magieanwendungen anderer Rollenspielsysteme in Beyond the Wall zu implementieren. Das ist mit den vorhandenen Möglichkeiten die das Grundregelwerk und darin besonders das Zauberbuch bieten, ziemlich einfach möglich.

Daneben besteht die Möglichkeit, seinem Charakter ein Zauberbuch ins Ausrüstungsblatt zu schreiben, in dem alle Zaubertricks, -sprüche und –rituale die er beherrscht, eingetragen werden. Um das Buch noch etwas anschaulicher zu gestalten, beginnt die Übersicht aller Zaubersprüche mit einer hübsch gestalteten Übersicht über die drei Gründe weshalb die Kunst der Magie zu erlernen sei. Die drei Gründe lassen sich wunderbar wie ein Mantra für Magier verwenden, auf die erste Seite des individuellen Zauberspruchbuches notieren oder anderweitig ins Spiel einbinden. Eine schöne Idee, die dem ganzen Zaubersammelsurium und damit den Charakteren eine besondere Tiefe verleiht!

Inspiration für das Zauberbuch
Inspiration für das Zauberbuch Deines Beyond the Wall Magiers

Die nächsten Seiten sind gefüllt mit …

– acht Zaubertricks wie z.B. der Trick „Trugbild erschaffen“
– 47 Zaubersprüche wie z.B. der Spruch „Ruf der Wildnis“ mit dem der Zauberer Tiere herbeirufen kann
– elf Rituale des ersten Grades, sechs Rituale des zweiten Grades, sechs Rituale des dritten Grades, vier Rituale des vierten Grades, vier Rituale des fünften Grades, vier Rituale des sechsten Grades, drei Rituale des siebten Grades, drei Rituale des achten Grades, zwei Rituale des neunten Grades und zwei Rituale des zehnten Grades wie z.B. „Unsichtbarkeit“ (4. Grad)

Die einzelnen Zaubersprüche besitzen jeweils eine Angabe zur Reichweite und zur Wirkungsdauer. Außerdem erfährt man, ob dem Verzauberten ein Rettungswurf zusteht. Darauf folgt eine ausführliche Spruchbeschreibung mit Angaben zu Wirkung, Boni, Mali etc.
Zugegeben, ich kenne deutlich ausführlichere Beschreibungen von Zaubersprüchen und deren Wirkung und auch Rollenspielsysteme, die weitaus mehr Daten liefern die Zauberer benötigen, um Magie anwenden zu können.
Aber Beyond the Wall bleibt sich in diesem Kapitel treu. Hier muss niemand das Zauberdatenbuch studieren und sich etliche Informationen merken, um losspielen zu können. Die regelhafte Handhabung der Magie ist einfach und kompakt und sollte auch von Neueinsteigern und jungen Rollenspielern sofort zu meistern sein.

Die Auswahl an verfügbaren Zaubersprüchen (Tricks, Sprüche, Rituale) ist ziemlich umfangreich und bietet für jede Art von Zauberer und für jeden Anspruch genügend Möglichkeiten. Zaubersprüche die mit der Natur interagieren findet man hier ebenso wie Magie, die den eigenen Körper verändert. Es gibt Illusionszauber, Bannzauber, Angriffszauber und etliches mehr.
Bei den Ritualen ist es so, dass die Sprüche und ihre Wirkung von Stufe zu Stufe mächtiger werden. Findet sich bei Stufe eins beispielsweise das Ritual „Heilende Beeren“, das gewöhnliche Beeren zu heilmächtigen Artefakten verzaubert – was im Gegensatz zu manchem Zaubertrick oder –spruch bereits sehr machtvolle Magie ist – liest man beim zehnten Grad der Rituale z.B. „Auferstehung“. Dieses Ritual bedeutet genau das was der Name bereits verheißt und bedeutet somit wirklich mächtige Magie.

Das Spielleiterhandbuch

Hier erfahren unerfahrene Spielleiter, was es überhaupt bedeutet, ein Rollenspiel zu leiten. Sie und auch die Spieler können lesen, wie die Stimmung bei Beyond the Wall ist und in welchem Bezug die jungen Charaktere zu ihrem Heimatdorf und ihren Angehörigen stehen. Die Spieler werden motiviert sich den Gefahren zu stellen, die ihre Charaktere erwarten – ihre geliebte Heimat ist es schließlich wert, dem Unheil ins Auge zu blicken!

Dieses Handbuch gibt einen Ausblick darauf, was die unerfahrenen Charaktere erwarten wird, wenn sie ihr vertrautes Dorf verlassen.
Für den Spielleiter hält es Tipps und Ratschläge bereit, wie das Spiel am Laufen gehalten werden kann und die vorgegebenen Szenarien personalisiert und für die eigene Gruppe individualisiert werden können. Außerdem findet sich hier ein ausführlicher Abschnitt zu Spielgleichgewicht und Balancing, der besonders für neue Spielleiter von Interesse sein dürfte.
Informationen zu der Dorfkarte, zu Würfelmodifikationen und der Charaktererstellung runden dieses Kapitel ab.

Schätze bei Beyond the Wall

Nice to have und gerade für unerfahrene Spielleiter sinnvoll ist das Kapitel, das sich Schätzen, Artefakten und magischen Gegenständen widmet. Hier findet man allerlei Nützliches, Verfluchtes und Kostbares, das den Charakteren während ihrer Reisen in die Hände fallen könnte. Natürlich inspiriert die Übersicht, auch eigene Gegenstände auszuarbeiten, um sie im Spiel zu verwenden.

Bestiarium

Ein anschauliches Bestiarium gehört meiner Meinung nach zu jedem Rollenspielsystem dazu. Weniger, um natürliche Tiere zu beschreiben sondern um die passenden Regeln zu liefern (z.B. die Lebens- oder Trefferpunkte und Angriffswerte wilder Tiere) und vor allem diejenigen Kreaturen zu beschreiben, die es auf unserer vertrauten Welt nicht gibt. Wo sollte man sonst über die Existenz von Feen, Drachen oder Harpyien erfahren, wenn nicht im Bestiarium?

Ein Einblick ins Beyond the Wall Bestiarium - Der Riese
Ein Einblick ins Beyond the Wall Bestiarium – Der Riese

Beyond the Wall liefert in seinem Bestiarium die Werte und Beschreibungen zu über 90 Tieren, Kreaturen, Bestien und Dämonen von B wie Bär bis Z wie Zombie. Einige der Kreaturen, wie z.B. Geisterwesen, sind nochmals in verschiedene Gruppen unterteilt.
Wie auch bei den Zaubersprüchen findet man bei jeder Kreatur eine ausführliche Beschreibung zu Aussehen, Vorkommen und Verhalten sowie eine Auflistung der Rüstungsklasse, der Angriffswerte, der Gesinnung und der Erfahrungspunkte die bei Überwinden der Kreatur vergeben werden können.
Untermalt ist das gesamte Kapitel mit liebevollen und thematisch passenden Illustrationen, die sich wirklich schön und stimmungsvoll in das Seitendesign eingliedern.

Im Anhang an diese Liste erfährt man, wie man sogenannte Goblins erschaffen kann, wobei Beyond the Wall den Begriff „Goblin“ nur als Überkategorie von vier Kreaturen verwendet, zu denen unter anderen auch Orks zählen.
Auch im nachfolgenden Kapitel das sich um das Erschaffen von Drachen dreht erfährt man, dass es vier verschiedene Drachengattungen – wie z.B. den Alten Drachen – gibt, die man anhand von Schablonen mühelos entwerfen kann.
Ganz genauso verläuft das Erschaffen von Dämonen im Folgeabschnitt.

Auch dieses Kapitel ist von wunderschönen Illustrationen gerziert
Auch dieses Kapitel ist von wunderschönen Illustrationen gerziert

Mir gefällt die Kombination aus einem umfangreichen Bestiarium und der ausführlichen Beschreibung zum Erstellen eigener Kreaturen sehr gut. Während andere Rollenspiele oftmals weitaus umfangreichere Bestiarien bieten oder zuweilen einzelnen Gattungen oder Rassen ganze Quellenbücher widmen, fehlt vielerorts eine gute Beschreibung zum Kreieren und eingliedern eigener Kreaturen. Hier erntet Beyond the Wall also ganz eindeutig einen Pluspunkt! So erhalten junge Spielleiter nicht nur die direkte Aufforderung selbst kreativ zu werden sondern auch den nötigen Mut, sich das Erstellen einer Kreatur auch zuzutrauen.

Die Anhänge

Hier finden sich zunächst die Charakterbücher mit folgenden Charakterklassen:
– Der Dorfheld (Ein kräftiger Kämpfertyp auf den das Dorf bei Problemen gern hört)
– Der Hexenschüler (Der Schüler der Dorfhexe)
– Der junge Waldläufer (Ein mutiger Charakter der sich in der Umgebung des Dorfes bestens auskennt)
– Der Magiedilettant (Ein Charakter der ein angeborenes Talent für die Magie hat. Zwar hatte er keinen Lehrmeister, dafür aber einen ganz besonderen Schatz: ein Zauberbuch)
– Der möchtegern Ritter (Ein Charakter der sich als Kind in die Rittergeschichen des Dorfes verliebt und sich den Lebensregeln der Ritterschaft verschrieben hat)
– Der unerprobte Dieb (Ein Charakter, dem seine hohe Geschicklichkeit und seine langen Finger bisher immer beschafft haben, wonach er sich sehnte)

Jedes Charakterbuch enthält eine kurze Beschreibung zur Charakterklasse, die Tabellen zum Auswürfeln der Hintergrundgeschichte sowie eine Übersicht über Orte und NSCs zum Eintragen in die Dorfkarte.

Im Anschluss an die Charakterbücher folgen die Abenteuerszenarien:
Feenhandel (das zum Einstieg empfohlene Abenteuer): Der Elfenfürst hat Knecht Derwyn entführt
Die Trollsaga: Ein Troll errichtet einen Damm, um den Fluss aufzustauen. Das Dorf droht, überschwemmt zu werden
Die verärgerten Feen: Da jemand den Hof der Feen verärgert hat, rächen diese sich nun, indem sie Zwietracht im Dorf säen
Der geheime Kult: Schwarze Magie ist unbemerkt in das Dorf eingezogen

Die Szenarien enthalten sämtliche Informationen die man benötigt, um sie als vollwertiges Abenteuer auszuspielen. Beschreibungen, Hintergrundinformationen, weiterführende Details wie z.B. Namenstabellen zum Auswürfeln von NSCs oder des Dorfnamens, lassen jeden Spielleiter einen schnellen Einstieg in die Szenarien finden. Erinnerungen, welche NSCs und Orte in die Dorfkarte eingetragen werden müssen, finden sich sehr übersichtlich, sodass man nichts vergisst.

Bei manchen Szenarien muss der Spielleiter Informationen aus der Charaktererstellung eintragen, um sie während des Abenteuers vorliegen zu haben. Sollte das Szenario also schon vor der Charaktererstellung feststehen empfiehlt es sich, den Szenarienbogen ausgedruckt bereit zu legen.

Einblick in eines der Szenarien
Einblick in eines der Szenarien

Im Folgenden enthält jedes Szenario Tabellen anhand derer man z.B. die Motive der gegnerischen NSCs, auffindbare Schätze oder wichtige Ereignisse auswürfeln kann. So kann man das Szenario theoretisch mehrfach in leicht abgewandelter Form spielen und hat jedes Mal eine veränderte Storyline.
Einige der Szenarien enthalten Karten und Illustrationen die der Spielleiter kopieren und an seine Spieler ausgeben kann.
Zu Abschluss folgt eine Übersicht über vorgeschlagene Monster und menschliche Gegner mit ihren jeweiligen Werten.




Ausprobiert

Ich habe Beyond the Wall ausgetestet und mir dafür einen Charakter erstellt. Ich konnte mich nur schwer zwischen dem Waldläufer und dem Magiedilettanten entscheiden. Ich liebe Charaktere die im Einklang mit der Natur leben und die sich in Wald und Flur bestens auskennen. Aber ich bin auch der absolute Zaubererspieler, weshalb ich mir das Spiel eines magisch unbegabten Waldläufers nicht so recht vorstellen kann – zumindest nicht auf Dauer.
Aber genau dafür gibt es ja die Regeln der kombinierten Charakterklassen und somit für Spieler wie mich die Möglichkeit, Waldläufer und Magiedilettanten zu einer Doppelcharakterklasse zusammenzufügen und somit einen Druiden, einen Heiler, den Priester einer Naturgottheit oder einen Schamanen zu erstellen.

Für meinen Test habe ich mich für den jungen Waldläufer entschieden.

Mein Charakterblatt als es noch nicht vollständig ausgefüllt war
Mein Charakterblatt als es noch nicht vollständig ausgefüllt war

Ich habe den Charakterbogen und die Dorfkarte ausgedruckt und muss leider sagen, dass mir die Printversion die mir vorliegt, nicht besonders zusagt. Das Papier wird nicht Weiß gedruckt sondern komplett zartem Grau überzogen, da die Buchseiten auch nicht Weiß sondern zart meliert sind. Dadurch verbraucht man für meinen Geschmack unnötig Tinte und das Schreiben auf bedrucktem Papier ist auch mühsamer – zumindest mit Bleistiften.
Die Taverne in der Mitte der Dorfkarte wirkt bereits im PDF des Buches etwas unscharf – nach dem Ausdruck ist sie sehr verwaschen. Das finde ich schade. Gerade, weil das Buch so liebevoll und detailverliebt gestaltet ist, sollte auch das Bild der Taverne im gleichen Stil daherkommen.
Es kann aber natürlich sein, und davon gehe ich fast schon aus, dass die Illustration der Taverne in der Printversion des Buches scharf und wie gewünscht abgebildet ist.

Wie oben bereits geschrieben, bietet System Matters die Charakterbücher den Käufern von Beyond the Wall kostenlos als Download an. Möglicherweise liegen dort auch die Dorfkarte und die Charakterblätter zum Download bereit? Falls nicht, wäre es vielleicht eine Idee sie anzubieten – als Schwarz-Weiß-Version, damit das Papier nicht unnötig Grau bedruckt wird.

Wer aufmerksam liest, der braucht kein Tipp-Ex …

Ich hätte im Vorfeld der Charaktererstellung definitiv die Tabellen näher ansehen sollen. Ich habe nämlich die Attributswerte aus der Charakterbeschreibung ganz einfach in meinen Charakterbogen übernommen und erst beim Auswürfeln der Hintergrundgeschichte bemerkt, dass von den Würfelergebnissen bestimmte Attributssteigerungen abhängen. Also war während der Charaktererschaffung Tipp-Ex mein bester Freund 😉

Die Geschichte auszuwürfeln war gar kein Problem und es war nett, auf diese Weise schnell eine zumindest grobe Story präsentiert zu bekommen. Etwas schade war dabei, dass bestimmte Würfelergebnisse in verschiedenen Tabellen dieselben Fertigkeiten mit sich bringen. So erwürfelte ich für meinen Waldläufer beispielsweise zweimal die Fertigkeit Kräuterkunde und konnte sie aber natürlich nur einmal notieren …
Als Spielleiter würde ich meinem Spieler an dieser Stelle entweder gestatten noch einmal zu würfeln oder sich frei eine andere Fertigkeit nach Wahl auszusuchen.

Fertigkeiten bei Beyond the Wall

Fertigkeiten, fällt mir an dieser Stelle ein, sind bei Beyond the Wall der Teil im Regelwerk den ich etwas vermisse. Während andere Regelsysteme häufig den verfügbaren Fertigkeiten ein langes Kapitel widmen und genau beschreiben was sich mit dieser oder jener Fertigkeit in welchen Situationen anfangen lässt, entdeckte ich im Grundregelwerk von Beyond the Wall Fertigkeiten ausschließlich in den Charakterbüchern. Klar kann man sich Fertigkeiten selbst ausdenken und ihre Anwendbarkeit für die eigene Gruppe individuell bestimmen, aber das bringt einigen Aufwand und eine Menge Arbeit mit sich. Zumindest dann wenn man viele Faktoren definieren und mit Blick auf das Spielgleichgewicht festlegen möchte.
Andererseits kommt Beyond the Wall ja auch in den übrigen Bereichen ohne viele Regeln aus – wieso nicht auch hier? Wenn sich die Spielgruppe kurz darüber einigt, ob man mit der Fertigkeit Kräuterkunde auch Gifte mischen oder Heiltrünke zubereiten oder lediglich essbare Pflanzen finden kann, ist alles gut und es kann losgehen. Sollen diese Festlegungen allerdings längerfristig oder dauerhaft bestehen, lohnt es sich in meinen Augen, sie schriftlich festzuhalten.

Zurück zur Charaktergenerierung und der Dorfkarte

Während der Charaktererstellung musste ich mehrfach hin und her blättern, um beispielsweise meine Rüstungsklasse zu ermitteln oder den Abschnitt über die Rettungswürfe noch einmal zu lesen. Ich empfand es als ein wenig umständlich, da ich es von anderen Werken her so kenne, dass die Regeln zur Charaktererstellung und die Charaktererschaffung selbst entweder direkt aufeinander folgen oder sogar parallel verschriftlich worden sind.
Nichtsdestotrotz habe ich die relevanten Informationen gefunden und konnte mein Charakterblatt später auch vervollständigen.

Parallel dazu habe ich begonnen, der Dorfkarte ein wenig Leben einzuhauchen. Da meine erwürfelten Hintergrundinformationen lediglich einen Ort und eine Person vorgaben, habe ich noch einen zusätzlichen Bäcker eingezeichnet. Etwas leckeres zum Essen zu bekommen, um es im Rucksack zu verstauen, ehe man auf Abenteuer auszieht, ist ja wichtig, gell? 😉

Dorfkarte Beyond the Wall
Meine etwas kärgliche Dorfkarte – mit Dorfnamen und wenigen Orten und NSCs

In Ermangelung von Mitspielern musste meine Karte demzufolge leider etwas leer bleiben. Aber immerhin konnte ich einen Eindruck davon gewinnen, wie nett die Idee ist, sein eigenes Gruppendorf zu entwickeln und es nach Geschmack der Gruppe „einzurichten“. Diese Idee ist wirklich schön, besonders wenn das gespielte Szenario längere Zeit im Dorf spielt und man mit den eingezeichneten Orten und NSCs auch interagieren kann.
Du solltest in Deiner Spielvorbereitung lediglich darauf achten, nicht zu groß zu zeichnen oder zu schreiben. Denn neben Deinen eigenen Daten werden auch die Deiner Spieler eingetragen und zusätzlich noch abenteurrelevante Orte und NSCs aus den Szenarien.

Fazit

Für meinen ganz persönlichen und subjektiven Geschmack bietet Beyond the Wall eine ganze Menge der Inhalte nicht, die ich an anderen Rollenspielsystemen so sehr liebe: Ich vermisse eine ausgearbeitete Fantasywelt, dichtere und ausführlichere Hintergrundinformationen, Kartenmaterial und weitere Rassen und Charakterklassen. Und auch wenn ich kein Freund komplizierter Regeln bin, ist mir das Regelsystem von Beyond the Wall zu schlicht und zu „abgespeckt“.
Ich gehöre aber freilich auch nicht zur Zielgruppe von Beyond the Wall. Als alter Hase mit fast zwanzig Jahren Erfahrung und regelmäßigen Rollenspielrunden auf dem Kerbholz bin ich weder ein Einsteiger noch jung. Und ich habe auch kein Interesse an kurzen und knackigen Spielrunden mit einem schnellen Einstieg und einem raschen Ende.
Von daher muss ich das Ganze etwas differenzierter betrachten und mich in die Situation eines jungen, unerfahrenen Rollenspielneulings hineinversetzen.

Denn Beyond the Wall hat ganz eindeutig eine Menge Pluspunkte zu bieten: Das Grundregelwerk ist ausgesprochen übersichtlich und leserfreundlich geschrieben. Jeder Spieler und jeder Spielleiter wird nach kurzem Lesen mit der Materie und dem System vertraut sein, ganz gleich wie neu und unerfahren er beim Rollenspiel ist.

Jeder, der sich beim Spielleiten oder auch beim Rollenspiel nur einmal versuchen möchte und sich noch nicht sicher ist, ob dieses Hobby sich für ihn eignet, kann mit Beyond the Wall schnell und unkompliziert Erfahrungen sammeln.
Da sich Beyond the Wall in jeder beliebigen Welt spielen lässt, eignet sich jede Fantasywelt zum Hintergrund. Hast Du einen Lieblingsroman mit einer ausgearbeiteten Fantasywelt oder spielst Du gern ein Computerspiel dessen Welt Dich fasziniert? Filme, Bücher, Spiele und auch selbst kreierte Fantasywelten lassen sich hervorragend in Beyond the Wall integrieren – für Deine Abenteuer ist überall Platz!

Das Grundregelwerk enthält trotz seines geringen Umfangs tatsächlich alle Informationen die man benötigt, um Beyond the Wall zu spielen. Dass neben den Regeln, den Charakterbüchern und den Szenarien noch genügend Platz ist, um ein umfangreiches Bestiarium sowie ein ausführliches Zauberbuch unterzubringen, ist sehr beeindruckend.

Ebenfalls sehr schön ist die gesamte Aufmachung des Buches. Zwar hätte womöglich manch eines der Bilder in Farbe noch etwas hübscher gewirkt, doch durch die Ton in Ton gehaltene Seitengestaltung erhält das Werk ein stimmungsvolles Gesamtdesign das sehr gefällig ist. Die Bilder inspirieren zu neuen Szenarien und bereiten Lust, gleich in die erste Spielrunde zu starten.

Beyond the Wall ist zwischen den althergebrachten Rollenspielen und den Urgesteinen am Markt ganz eindeutig etwas Besonderes. Es kommt leicht und kompakt daher ohne auf Phantasie und Liebe zum Detail zu verzichten.
Gerade für Einsteiger und Gelgenheitsspieler ist Beyond the Wall unbedingt empfehlenswert.
Alten Hasen könnten dagegen vor allem die Abenteuerszenarien gefallen und die Illustrationen, die Kreaturen und die Zaubersprüche Inspirationen liefern für neue Abenteuer.

Ich kann Beyond the Wall eindeutig nur empfehlen und würde das System jederzeit mit meinen Kindern, neu eingestiegenen Rollenspielern oder all jenen Gruppenmitgliedern, die Rollenspiele nur einmal austesten möchten, spielen! Und auch ich selbst würde Beyond the Wall – z.B. auf einer Con oder einem anderen Event – spielleiten oder an einer Runde teilnehmen. Im ersten Fall würde ich meine selbst kreierte Fantasywelt Thargannion zugrunde legen, im zweiten Fall würde ich mich sehr gern überraschen lassen, welche Welt der Spielleiter bereithält 🙂
Vielleicht werde ich auf der nächsten Eintages-Con mal eine Runde anbieten. Gelegenheiten dazu gibt es ja genug!

Weitere Publikationen zu Beyond the Wall

System Matters hat noch einige andere Publikationen zu Beyond the Wall veröffentlicht. Diese enthalten beispielsweise neue Spielszenarien oder Charaktere, Anleitungen wie man seinen eigenen Landstrich erstellt, Regeln, um magische Gegenstände herzustellen oder neue Bedrohungen.

#1 Beyond the Wall – Wolfszeit und andere Abenteuer

Das Cover zu Beyond the Wall Wolfszeit
Das Cover zu Beyond the Wall Wolfszeit – 14,95€

#2 Beyond the Wall – In die Ferne

Beyond the Wall - In die Ferne
Beyond the Wall – In die Ferne – 14,95€

#3 Beyond the Wall – Der König des Berges

Beyond the Wall - König des Berges
Beyond the Wall – König des Berges (PDF) – 5,49€

#4 Beyond the Wall – Schauplätze

Beyond the Wall - Schauplätze
Beyond the Wall – Schauplätze (PDF) – 3,49€

Kennst Du Beyond the Wall bereits und magst mir von Deinen Erfahrungen berichten?
Hat mein Artikel Dein Interesse geweckt und Du möchtest Dich mit mir über den Bericht oder Beyond the Wall austauschen?
Du hast Fragen zum Rollenspiel?

Dann lass mir gerne einen Kommentar da!

Rollenspielerische Grüße
Janine

Vielen Dank dafür, dass Du meinen Beitrag gelesen hast. Ich freue mich, wenn er Dir gefallen hat und Dir weiterhilft, Dich inspiriert und Dich informiert.

Ich bin seit 1999 leidenschaftliche Fantasy-Rollenspielerin, Spielleiterin, Autorin (Romane, Ratgeber, Rollenspielabenteuer) und Illustratorin von Rollenspiel-Karten. Außerdem bin ich begeisterte Convention-Besucherin, liebe Fantasy und Phantastik und sammele gern Dinge, die ich für meine Rollenspielrunden (z.B. als Handouts) verwenden kann.

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