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#5 Tipps zur Gestaltung von Handouts

Die Gestaltung von Handouts für Rollenspielrunden

Früher, also damals, als Pen&Paper Rollenspiele wirklich noch Papier und Bleistift Rollenspiele waren, man von digitalen Plattformen, Online-Medien und Laptops noch Lichtjahre entfernt war und das einzige technische Gerät, das während einer Spielrunde zum Einsatz kam, ein CD-Player war, waren alle Handouts noch aus Papier. Der Spielleiter bereitete jedes Handout vor, schrieb manches per Hand, anderes am Computer, um es anschließend auszudrucken, bastelte und zeichnete was auch immer er seinen Spielern mitzuteilen gedachte. Handouts waren manchmal bloß kleine Schmierereien auf Notizpapier, hin und wieder Bleistiftskizzen auf Rechenkästchen und hier und dort kunstvoll verzierte Urkunden, Briefe oder Pamphlete auf edlem Papier. Handouts wurden mit Siegelwachs verschlossen, mit Schleifen oder Kordeln umwickelt, zu Origami gefaltet, zerknüllt oder zerrissen. Manchmal kamen Wasserfarben zum Einsatz, ein andermal Bunt- oder Kohlestifte. Handouts waren ordentlich, verschmiert oder unleserlich, hatten teilweise einen absichtlichen Wasserschaden, wurden angezündet oder mit Schmutz und Ruß befleckt.
Kurzum: Ein Handout war ein lebendiges Medium. Es war mühsam ein Handout zu gestalten und nicht wenige Spielleiter haben richtig viel Zeit, Liebe und Mühe investiert, um grandiose Handouts zu gestalten.

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Eines jedoch hatten diese Handouts alle miteinander gemein: Auf sie konnte nicht digital zugegriffen werden. Lassen wir einmal den reproduzierbaren Computer-Ausdruck beiseite, dann stehen wir vor einem Handout, das es nur ein einziges Mal gibt und das individuell für diese eine Spielrunde, für diese konkrete Situation oder diesen bestimmten Charakter erstellt wurde. Die Spieler halten es an einem bestimmten Zeitpunkt des Spiels in ihren Händen, fühlen das Material und können mit allen Sinnen Details erfassen. Die Haptik, aber auch die Tatsache, dass man die Köpfe zusammenstecken oder das Handout herumreichen muss, dass man sich gedulden muss ehe man an der Reihe ist, dass man nicht digital herein- oder herauszoomen kann, machen den Einsatz eines anfassbaren Handouts zu einem besonderen Erlebnis.

 

#1 Unterschiede zu digitalen Handouts

Natürlich kann ich Kartenskizzen, Briefe, Tagebucheinträge und dergleichen auch digital am PC erstellen. Bestimmte Online-Plattformen und Textverarbeitungsprogramme ermöglichen es, aus einem schlichten Word-Dokument mit schwarzer Times New Roman Schrift auf einem steril weißen Blatt ein hübsch anzusehendes Schriftstück mit schwungvoller Handschrift auf einem bräunlich angelaufenen Hintergrund zu machen, sodass mein Online-Handout am Ende ausschaut wie mit Federkiel und Tinte auf Pergament geschrieben. Wer zudem noch Kenntnisse in einem Bildverarbeitungsprogramm wie Adobe Photoshop mitbringt, kann sein Handout leicht mit Brandlöchern oder Schmutz versehen oder mit Siegeln schmücken.
Dennoch bleibt dieses Handout am Ende was es ist: Entweder ein zweidimensionales Bild auf einem Computermonitor oder ein Ausdruck auf gewöhnlichem Druckerpapier.
Dieses Handout kann sich perfekt ins Spiel eingliedern und den Spielern sämtliche Informationen zutragen, die sie benötigen, um im Abenteuer voranzukommen.

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Was dieses Handout aber nicht kann, ist eine Haptik zu transportieren, die dem Gegenstand, den die Spielfiguren ingame erhalten haben, ähnelt. Ein digitales Handout ist dabei natürlich noch eingeschränkter. Es hat keine Haptik, es kann nicht rascheln und nicht duften, es kann nicht auf die Finger abfärben und man kann es nicht herumdrehen.
Doch auch ein gewöhnlicher Bogen Druckerpapier hat in Bezug auf diese Eigenschaften seine Grenzen.
Selbst gestaltete, gezeichnete, gebastelte und liebevoll von Hand hergestellte Handouts können all das: Ein Stück der ingame-Szenerie in die Außenwelt transportieren und Deine Spieler auf diese Weise tiefer ins Spiel ziehen.

 

1# Beispiele für Handouts

Beispiele für Handouts und Behältnisse
Beispiele für Handouts und Behältnisse

Auf dem Bild siehst Du eine kleine Auswahl von Handout-Arten, die ich für meine vergangenen Spielrunden gestaltet habe. Es handelt sich dabei um einen mit Tinte auf Seidenpapier geschriebenen Brief, der mit einer Seidenschleife verschlossen wurde. Verpackt hatte ich den zusammengerollten Brief in einem zarten Organza-Täschchen. Im Spiel erhielten die Spielfiguren den Brief auf genau diese Weise. Da dieser Brief von einer Elfe verfasst wurde, habe ich mich um meine beste Handschrift bemüht.
Auch bei dem zweiten Handout handelt es sich um einen Brief. Geschrieben mit rot-braun-lila Aquarellfarbe auf vergilbtem saugfähigen Papier und wüst verschmiert und betropft mit Farbklecksen und Fingerabdrücken. Dieses mehrseitige Handout wurde von einem verletzten Nichtspielercharakter mit Blut verfasst. Um seine Schwäche Schmerzen und den Konzentrationsschwund darzustellen, habe ich nicht nur absichtlich Wortwiederholungen und Rechtschreibfehler in den Text eingebaut sondern die Schrift häufig auch verwischen lassen, Wort- und Zeilenabstände zu groß oder zu klein gestaltet, lange Buchstaben zu kurz oder zu lang geschrieben und die Schrift auf der letzten Seite immer blasser werden lassen.
Bei dem dritten Handout schließlich handelt es sich um die einfache Skizze einer Burg. Üblicherweise liebe ich es, Karten auf dem PC mit Adobe Photoshop zu gestalten. Doch viele meiner Karten beginnen mit einer einfachen Bleistiftskizze auf Papier – sozusagen als Vorlage für meine spätere digitale Arbeit. Die Skizze der Burg gefiel mir so gut, dass ich sie einfach ausgestaltet und mit Buntstiften editiert habe, bis sie mir gefiel. Für die entsprechende Rollenspielszene passte die Zeichnung optimal. Dies ist kein Handout, das die Spielfiguren ingame erhalten sondern diente der Orientierung meiner Spieler während der Spielrunde als sich ihre Charaktere auf der Burg zurechtfinden mussten.

 

#2 Handouts selbst gestalten

unterschiedliche Papierarten bieten unterschiedliche Gestaltungsmöglichkeiten
unterschiedliche Papierarten bieten verschiedene Gestaltungsmöglichkeiten

Versuche doch für Deine nächste Spielrunde einmal, ein Handout fern ab von allen technischen Hilfsmitteln selbst zu gestalten. Dieser große Aufwand lohnt sich freilich nicht für jeden kleinen Informationsschnipsel, den Du Deinen Spielern mitteilen möchtest. Aber wichtige Questgegenstände wie Urkunden, Briefe, Logbücher, Karten und dergleichen bieten sich an, in besonderer Art und Weise hervorgehoben zu werden.

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Natürlich kannst Du auch ganz spontan kreativ sein und schauen, welches Kunstwerk Du am Ende in Deinen Händen hältst, jedoch ist es empfehlenswerter, sich auf die Gestaltung Deines Handouts ein wenig vorzubereiten.
Überlege Dir genau, welches Handout Du gestalten möchtest und ob es sich dabei um ein Handout für Deine Spieler (z.B. Karten, Informationen etc.) oder für die Spielfiguren (z.B. Briefe, Tagebucheinträge usw) handeln soll.
Handouts für die Spieler sollen vor allen Dingen informieren und übersichtlich alle relevanten Dinge informieren. Sie sollten leserlich sein, keine Fehler enthalten und praktisch als eine Art ausgelagertes Quellenmaterial dienen. Sie sollten sauber und ordentlich sein und können idealerweise in Klarsichtfolien stecken oder – falls man sie länger und häufiger benötigt – auch laminiert werden, um sie vor Flecken und Knicken zu schützen.

Handouts für die Spielfiguren (im übertragenen Sinne) sollen dem Original im Spiel ziemlich nahe kommen. Sie dürfen mit Parfum besprüht, mit Erde beschmutzt, mit Bier übergossen, zerrissen, zerknüllt, nur noch partiell vorhanden, besudelt und unleserlich sein. Alles, was Dein Original möglichst nah an das Äquivalent im Spiel bringt, ist erlaubt.

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Überlege Dir als nächstes, von wem Dein Handout ingame stammt. Hat es ein Adeliger geschrieben, der hochwertige Tinte verwenden kann und des Schreibens fehlerfrei mächtig ist? Oder hat es ein ungebildeter Tagelöhner mit einem angekokelten Holzstück mühsam und fehlerhaft auf ein Stück Stoff gekritzelt?
Versuche Dich bei der Ausgestaltung Deines Handouts an diesem Hintergrund zu orientieren. Verwende kein hochwertiges Büttenpapier, wenn das Stück ingame auf einem zerknüllten Fetzen daherkommt. Fertige aber die Urkunde des Königs nicht auf schnödem Druckerpapier an.
Müht sich Dein schreibender Nichtspielercharakter um einen geschwollenen Ausdruck, ahme seinen Stil im Text nach. Gelingt es ihm, fehlerfrei zu bleiben, bleib Du es auch.
Bekommt Dein Schreiber im Spiel keinen Satz geradeaus und kein Wort fehlerfrei aufs Papier, setze genau dies bei Deinem Handout um.
Variiere Deine Handschriften je nachdem ob die zarte Elfe, der muskelpepackte Barbar oder der routinierte Schreiberling das Dokument verfasst haben. Spiele mit Akkuratheit, Sauberkeit, Tintenklecksen und Eselsohren. Gib Deinen Spielern durch die Gestaltung des Handouts wichtige Informationen mit. War der Schreiber in Eile? War der Schreiber möglicherweise verletzt? Hat der Schreiber Brotkrumen und Abdrücke seines Bierkrugs auf dem Dokument hinterlassen? Vielleicht saß er ja in einer Herberge, während er schrieb. Wurde das Dokument in einer besonderen Art gefaltet? Haben die Abenteurer es halb angesengt aus einem Kamin geborgen? Zeugen Blutspritzer von einem Kampf?
Je relevanter für Dein Abenteuer, desto eher sollten die Spieler in der Lage sein, weitere Informationen aus dem Dokument zu ziehen. Du wirst es lieben, ihnen dabei zuzusehen, wie sie Dein Dokument auf Spuren untersuchen!

 

#3 Andere Arten von Handouts

Gegenstände als Handouts
Gegenstände als Handouts

Handouts müssen nicht ausschließlich aus Papier bestehen. Auch Gegenstände wie Steine, Muscheln, getrocknetes Laub oder geschnitztes Holz können Nachrichten transportieren. Viele Dinge die man in Wald und Flur findet lassen sich hervorragend beschriften und dann zum Beispiel als Nachrichten von Elfen, Zwergen oder Kobolden einsetzen.

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Doch auch Dinge, die gar nicht beschrifte werden sollen, eignen sich hervorragend als Handout. Die Münze auf den Foto beispielsweise ist eine antike Münze, die von einem gesunkenen Schiff geborgen wurde. Christian und ich haben sie irgendwann einmal geschenkt bekommen und wussten nie recht etwas damit anzufangen. Doch kann kam ein Piratenabenteuer und das Schicksal der Münze als Handout für die Spieler war besiegelt.
Aus dem Büchlein, das passenderweise in Leder eingebunden ist und pergamentfarbene Seiten hat, habe ich dann ein passendes Logbuch des Kapitäns mit den relevantesten Seetagebucheinträgen gemacht. Und schwuppdiwupp konnte ich meinen Spielern zwei tolle Handouts bieten, welche perfekt zum Abenteuer passten.

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Lustig sind auch Handouts, die man verzehren kann. So hatte ich beispielsweise einmal ein Rätsel erfunden für dessen Lösung ingame magische Edelsteinchen geschluckt werden mussten, welche teils haarsträubende Effekte auf die Abenteurer hatten. Um die Edelsteine darzustellen und auch, um die exakte Anzahl der verzehrten und noch vorhandenen Edelsteine aufzuzeigen, überreichte ich meinen Spielern ein Kästchen gefüllt mit Jelly Beans. Diese waren exakt abgezählt und jede Sorte war einem Edelstein und somit einem Effekt zugeordnet – davon hatten die Spieler selbstverständlich keine Kenntnis. Natürlich gab es im Spiel keine Jelly Beans, aber allein die Tatsache, dass die Spieler außerhalb des Spiels ebenso wie ihre Figuren innerhalb des Spiels Dinge verzehren durften, die dann ingame einen Effekt nach sich zogen, führte zu einem Heidenspaß.

 

#4 Verpackung von Handouts

Behältnisse für Handouts

Wenn die Situation dazu passt oder das Handout selbst es hergibt, ist es ein netter Pluspunkt, das Handout passend zu verpacken. Der zerfetzte Brief eines Orks wird vermutlich kaum in einem Seidenbeutelchen liegen (und falls doch hat man womöglich den Auftakt zu einem neuen Abenteuer entdeckt) und die Adelsurkunde des Königs vermutlich nichts zerrissen und verschmutzt bei den Abenteurern ankommen.
Selbstverständlich kann man nicht Dutzende und für jede Situation angemessene Beutel, Kästchen, Schleifen, Kisten und dergleichen bei sich bevorraten. Aber wenn Dir etwas in die Hände fällt von dem Du denkst, dass es sich irgendwann für ein Handout eignen würde, dann bewahre es auf.
In dem Seidenbeutelchen auf dem Foto beispielsweise habe ich vor Jahren in Asien einmal einen Cremetiege erstanden. Das Beutelchen habe ich seither aufbewahrt. Vor Jahren kam es bei einer Spielrunde auch schon einmal zum Einsatz – prall gefüllt mit bedeutsamen Origamikranichen – und ich bin mir sicher, dass dies nicht der einzige Einsatz gewesen sein wird.
Schleifen, Kordeln, Bänder, Garn und dergleichen kann man nie genug haben. Sie nehmen nicht viel Platz weg und man ist immer bestens ausgerüstet.
Wenn Du Siegelwachs besitzt, ist auch dies eine tolle Möglichkeit, Handouts zu verschließen und einen individuellen Anstrich zu verleihen.

 

#5 Und außerdem?

Schreib- und Kalligraphiefedern
Schreib- und Kalligraphiefedern

Ich habe mir über die Jahre hinweg ein ordentlich sortiertes Sammelsurium an potentiellen Materialien zur Handouterstellung zugelegt. Darin finden sich verschiedene Fässchen von Tinten und Tuschen, Federkiele mit Schreib- und Kalligraphiefedern, unterschiedlichste Papiersorten, Buntstifte, Wasser- und Aquarellfarben, Copicmarker, Fineline, Füller, Blei- und Kohlestifte, Radiergummis usw. Außerdem Siegelwachs und Stempel, Skizzen zu Ideen was Wappen, Siegel und dergleichen angeht, Lineale, Geodreiecke, Zirkel etc. Und natürlich nicht zu vergessen all jene Kleinigkeiten und Gegenstände die mir irgendwann einmal in die Hände fielen und von denen ich glaube, dass sie sich irgendwann einmal für dieses oder jedes Abenteuer als nützlich erweisen könnten.
Zu guter Letzt finden sich hier auch noch Feuerzeug und Streichhölzer, Scheren und allerlei Dinge, um Handouts gebraucht und schmutzig aussehen zu lassen. Sogar ein Beutelchen voller Walderde findet sich dort. Etwas angefeuchtet und über das Papier gerieben, ergibt sie einen tollen Effekt.

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Ich denke, ich kann Dir guten Gewissens empfehlen, Dir eine eigene kleine Ecke, eine Schachtel oder eine Schublade für Deine zukünftigen Handouts anzulegen. Du wirst erstaunt sein, was Du alles sammeln wirst und was Dir alles nützlich erscheint. Und irgendwann, wenn Du dringend ein Handout benötigst, wirst Du sicher sehr dankbar sein über Deine Sammlung 🙂

Viel Spaß!

 

Produkte im Artikel

  1. Das Notizbuch: Ich konnte den gleichen Artikel nicht finden, allerdings zwei recht ähnliche HIER und HIER.
  2. Der Federkasten: Auch in diesem Fall kann ich leider bloß ähnliche Produkte aufzeigen. Nämlich HIER und HIER.
  3. Tuschestifte: Meine Tuschestifte stammen aus dem Hause Faber-Castell. Du findest sie HIER.
  4. Graphit-Set: Auch dieses verwende ich von Faber-Castell. Und zwar dieses HIER.
  5. Copic Marker: Zugegeben, Copic Marker sind ziemlich teuer aber die besten am Markt. HIER findest Du eines der Originalsets. Es gibt aber auch zahllose Nachahmerprodukte, wie zum Beispiel dieses Set HIER.
  6. Papiersorten: HIER findest Du ein hübsches Vintagepapier, HIER weißes Seidenpapier auf der Rolle, HIER echtes Büttenpapier, HIER Transparentpapier und HIER Aquarellpapier
  7. Aquarelle: Aquarellfarben findest Du z.B. HIER, ein Pinselset HIER
*Affiliate-Links

 

Rollenspielerische Grüße
Janine

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Ich bin seit 1999 leidenschaftliche Fantasy-Rollenspielerin, Spielleiterin, Autorin (Romane, Ratgeber, Rollenspielabenteuer) und Illustratorin von Rollenspiel-Karten. Außerdem bin ich begeisterte Convention-Besucherin, liebe Fantasy und Phantastik und sammele gern Dinge, die ich für meine Rollenspielrunden (z.B. als Handouts) verwenden kann.

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