Dorkness Rising - Ein Film von Rollenspielern für Rollenspieler
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Review: The Gamers – Dorkness Rising

Suchst Du einen Film zum Thema Rollenspiel?

 

Dann kann ich Dir „The Gamers – Dorkness Rising“ uneingeschränkt ans Herz legen. Dieser Film wurde produziert von Dead Gentlemen Productions, einem Filmemacher-Team aus Seattle/Tacoma in Zusammenarbeit mit Zombie Orpheus Entertainment.
Das Team besteht seit 1996 und hat seither zwei Filmreihen produziert: Demon Hunters und The Gamers. Zur letzeren Reihe gehört der Film Dorkness Rising. Der zweite Teil der Reihe heißt Hands of Fate. Er findet auf der Gen Con statt und hat vor allem das Thema Sammelkartenspiele zum Hintergrund. Parallel geht es um kleine Liebeleien und allerlei Spaß und Verrücktes auf der Gen Con. Für meinen Geschmack kommt das Thema Rollenspiel ein wenig zu kurz. Nichtsdestotrotz ist auch Hands of Fate ein sehr gelungener und sehenswerter Film. Vielleicht stelle ich ihn Dir in einem späteren Beitrag vor.

 

The Gamers – Dorkness Rising

Dorkness Rising

Ich weiß nicht, ob Menschen die keine Rollenspieler sind oder waren und keinerlei Bezug zum Rollenspiel haben, den Film auch nur annähernd so toll finden oder finden können, wie ich. Pen&Paper-Rollenspiel ist nicht nur Hauptkern des Films sondern wird auch genutzt, um allerhand „Insider“ und Situationen zu kreieren, die man vermutlich nur versteht oder witzig finden kann, wenn man schon einmal an einem RPG-Spieltisch gesessen hat. Dorkness Rising versteht es, das Rollenspiel gleichzeitig ernsthaft darzustellen und es, bzw. bestimmte Situationen auf die Schippe zu nehmen.
Es gelingt dem Film, ein wunderbares Wechselspiel zwischen den realen Spielerszenen und den phantastischen ingame-Szenen darzustellen ohne dabei an Storyline, Tiefe oder Verständlichkeit einzubüßen.



 

Wie funktioniert das Konzept von Dorkness Rising?

Dorkness Rising besitzt eine Rahmenhandlung und eine Binnenhandlung, welche sich während des Films gleichermaßen entwickeln und perfekt parallel zueinander funktionieren.
In der Rahmenhandlung lernen wir den Spielleiter Kevin Lodge kennen, der versucht, ein Rollenspielabenteuer zu erarbeiten, welches er gern publizieren würde. Da die Spieler seiner Runde, Cass, Leo und Gary zu Beginn des Films aber etwas unkreative Spieler (Powergamer *hust*) sind, denen eher der Sinn nach looten und leveln als nach intensivem Rollenspiel steht, sterben ihre Charaktere mehrfach an derselben Stelle, was für einigen Frust sorgt.
Die Gruppe entscheidet sich, dass ein weiterer Mitspieler an Bord geholt werden muss – die Wahl fällt auf Cass’s Exfreundin Joanna, die noch keinerlei Rollenspielerfahrung besitzt. Trotz der Überzahl an Männern, die ihren Charakter gern halbnackt im Ketten-Bikini sähe, setzt sich Joanna durch und erschafft ihre Spielfigur nach ihren eigenen Wünschen. Schon in dieser Szene wird klar, dass Joanna neuen Wind in die Truppe bringen wird – und auch, dass dies zu Konflikten führen wird, da nicht alle Gruppenmitglieder mit diesem frischen Wind einverstanden sind.
Als alle am Spieltisch versammelt sind, schwenkt der Film zur Binnenhandlung um. In dieser erleben wir die Abenteuer der Spielfiguren.

 

dorkness rising

Die Binnenhandlung von Dorkness Rising

Der Schurke Mort Kemnon besitzt das magische Artefakt „Die Maske des Todes“. Die Heldengruppe wird entsandt, das Artefakt zu bergen und muss sich unterwegs Dutzenden Gefahren und kleinen Quests stellen, ehe sie Mort Kemnon tatsächlich gegenübersteht. Am Ende wartet das Treffen mit der leibhaftigen Erscheinung einer guten Gottheit auf die Gruppe sowie eine Entscheidung, die es in dieser Gruppe vor Joannas Beitritt wohl nie gegeben hätte.

 

Dorkness Rising

Die Konfliktsituation

„That’s what my character would do“ ist ohne Zweifel mein Lieblingszitat von Joanna. Ihr Charakter, Kriegerin Daphne, verlegt sich während des Spiels gern auf Gespräche und Verhandlungen. Joanna müht sich sehr, mit der Welt zu interagieren, befragt Nichtspielercharaktere nach ihren Namen, verhält sich interessiert und einfühlsam. Aufgrund ihres Nichtwissens fällt es Joanna sehr leicht, Spielerwissen von Spielfigurenwissen zu trennen, sodass es hier nie zu spielgleichgewichtsgefährdenden Überschneidungen kommt.
Die Männer der Gruppe hingegen nutzen ingame gern ihr Spielerhintergrundwissen, versuchen aus der Handlung auszubrechen, Szenen zu überspringen oder auszulassen, weil sie als Spieler sie schon aus früheren Abenteuern kennen oder gewohnt sind, und möchten Joanna gern ihren Powergaming-Spielstil aufprägen. Sie haben kein Verständnis dafür, wenn Joanna ingame mit einem vermeintlich zufälligen NSC spricht und kürzen Gespräche schon einmal gern ab, indem sie den Nichtspielercharakter mehr als unsanft aus dem Weg räumen.
Mehr als einmal wird Joanna für ihre Handlungen im Spiel kritisiert, beharrt aber konsequent darauf, sich so zu verhalten, wie es ihre Kriegern täte und wollte – somit bleibt sie ihrem Stil treu, betreibt echtes Rollenspiel und zeigt den Jungs, dass es neben looten, leveln und Powergaming auch noch eine viel relevantere, tiefgründigere und erfüllendere Seite des Rollenspielsgibt: nämlich das Ausspielen einer Rolle, das Verkörpern einer Figur.

 

Wechsel von ingame zu outgame Szenen

Immer wieder wechselt der Film zwischen Szenen innerhalb des Spiels und Szenen am Spieltisch. Das passiert beispielsweise, wenn die Spieler zu Metadiskussionen übergehen oder wenn die Mimik, Haltung oder Körpersprache der Spieler perfekt das Verhalten ihrer Charaktere untermalen.
Dorkness Rising hat diese Wechsel meiner Meinung nach brillant gelöst. Jeder Rollenspieler wird sofort Parallelen zum eigenen Spielrundentisch erkennen und sich oder seine Mitspieler wiederfinden in den Charakteren oder dargestellten Szenen.

 

Gary – ein Sonderfall

Dorkness Rising

Spieler Gary hat sich entschieden, bei der Neuaufnahme des Abenteuers dieses Mal eine Frau zu spielen. Er entwirft die ebenso wunderschöne wie verführerische Luster und lässt es sich nicht nehmen, gleich während der Annahme des königlichen Auftrags noch im Thronsaal mit dem Barden der Gruppe zu einem Schäferstündchen zu entschwinden. Ein galant feminines high five auf die Glanztat rundet das illustre Bild ab. Ebenso unvergesslich die Szene in der Luster meint, die Kultstätte der Mondgottheit eines Koboldclans entweihen zu müssen, indem sie ihren „sweet little tushy“ entblößt und die Stätte mit ihrem Geschäft bedenkt.
Während dieser Szenen wechselt die weibliche Darstellerin der Luster zum männlichen Darsteller von Gary. So sieht man als Zuschauer sofort, wenn Gary mal wieder aus seiner Rolle fällt und er nicht mehr Lusters Ziele verfolgt sondern seinen eigenen Gelüsten nachgibt. Dass Gary aus der Rolle fällt und vergisst, Rollenspiel zu betreiben, passiert ganz schön oft und sorgt für einige Lacher.

 

The Gamers – Dorkness Rising – Daten

Produktionsland: USA
Originalsprache: Englisch (ich habe bisher auch noch keine Übersetzung gefunden)
Untertitel: Englisch
Erschienen: 2008
Länge: 105 Minuten

 

Wo kannst Du Dir Dorkness Rising ansehen?

Es gibt drei Möglichkeiten, Dorkness Rising anzusehen:

#1 Youtube

Mit diesem LINK gelangst Du zu einem Youtube-Video, das den Film in ganzer Länge zeigt

#2 Kauf auf Amazon

Bei Amazon kann man The Gamers – Dorkness Rising auf DVD kaufen. Sie ist allerdings meiner Meinung nach sehr teuer. Wer bereits Amazon Prime Kunde ist, sollte vielleicht eher zu Möglichkeit #3 greifen. Aber wer kein Amazon Prime nutzen möchte oder ein wahrer Fan ist, greift vielleicht gern bei der DVD zu.

*Affiliate-Link
Hier solltest Du ein Produktbild von Amazon sehen. Falls es nicht angezeigt werden sollte, kannst Du auch diesem LINK zum Artikel auf Amazon folgen.

#3 Ansehen mit Amazon Prime

Für Nutzer von Amazon Prime besteht aktuell die Möglichkeit, The Gamers – Dorkness Rising kostenlos zu streamen.

 

Sonstiges

Hier findest Du die Facebook-Seite von Zombie Orpheus Entertainment: LINK
Hier findest Du die Facebook-Seite von Dead Gentlemen Production: LINK
Und hier die Homepage der GenCon: LINK

 

Review

Dass mir Dorkness Rising sehr gut gefällt, hast Du Dir beim Lesen meiner Vorstellung sicherlich schon gedacht. Ich habe den Film seit Christian ihn vor einigen Monaten entdeckt hat, sicherlich schon zwanzig Mal gesehen und er bringt mich jedesmal erneut zum Lachen oder zum Schmunzeln.
Ich liebe die Atmosphäre, die der Film kreiert und ich mag die dargestellten Charaktere sehr gern. Besonders Joanna und ihre Daphne haben es mir angetan, aber auch Lodge und sein Sir Osric gefallen mir sehr gut. Dass Gary und Luster ständig Rollentausch betreiben, lässt mich immer wieder an bestimmte Szenen oder Spieler zurückliegender Rollenspieljahre denken und in Lodges Bemühungen, das beste Rollenspielabenteuer zu schreiben, sehe ich meine eigene kreative Arbeit als Spielleiterin.
Man sieht natürlich, dass das Budget des Films nicht unendlich groß war und könnte hier und da einige Dinge bei der Kostüm- oder Kulissenauswahl kritisieren. Aber wenn man bedenkt, was für eine kleine Gruppe Menschen für diesen Film verantwortlich ist und dass es sich hier um ein leidenschaftliches Indie-Stück von Gamern und Rollenspielern handelt, haben wir mit Dorkness Rising meiner Meinung nach ein echtes Glanzstück vor uns.

Für mich gilt: Absolut empfehlenswert!

Vielen Dank dafür, dass Du meinen Beitrag gelesen hast. Ich freue mich, wenn er Dir gefallen hat und Dir weiterhilft, Dich inspiriert und Dich informiert.

Ich bin seit 1999 leidenschaftliche Fantasy-Rollenspielerin, Spielleiterin, Autorin (Romane, Ratgeber, Rollenspielabenteuer) und Illustratorin von Rollenspiel-Karten. Außerdem bin ich begeisterte Convention-Besucherin, liebe Fantasy und Phantastik und sammele gern Dinge, die ich für meine Rollenspielrunden (z.B. als Handouts) verwenden kann.

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4 Kommentare

  • Rolf

    Hallo Janine,

    ein Tipp: „Dorkness Rising ist eigentlich der zweite Film. Es gibt von Dead Gentlemen Productions noch „The Gamers“ (ohne Zusätze). Der ist im Vergleich zu „Dorkness Rising“ deutlich billiger produziert, was aber nicht gegen den Film spricht. Ich fand ihn sogar lustiger als „Dorkness Rising“, das kann aber daran liegen, dass ich ihn zuerst gesehen habe.
    Man kennt die Situationen dann schon.
    Die DVD ist leider nur zu aberwitzigen Preisen zu erhalten, aber es gibt ja noch youtube. 🙂

    Viele Grüße
    Rolf

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    • Janine

      Heyas Rolf,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Deine Empfehlung für den ersten Teil der „The Gamers“-Reihe! Ich habe „The Gamers“ (ohne Untertitel) auch gesehen und fand ihn ebenfalls gut. Frag‘ mich nicht, wieso ich das Pferd von hinten aufzäume, denn zu „Dorkness Rising: Hands of Fate“ habe ich ebenfalls einen Beitrag in Vorbereitung. Da sollte ich dann konsequenterweise natürlich auch auf den ersten Teil verweisen. Danke für die Erinnerung, ist bereits notiert 🙂
      Ein ebenfalls großartiger Film von und für Rollenspieler(n) von den Machern von „Dorkness Rising“, den ich auch demnächst vorstellen werde, ist „Journey Quest“. Kennst Du den schon?

      Liebe Grüße
      Janine

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  • Phillipp

    Hi Janine,
    spannende Review! Ich kannte den Film noch gar nicht, habe ihn mir aber inzwischen angesehen und muss sagen, das er ziemlich cool ist! Dadurch, das man bei Amazon prime ja einen Untertitel einstellen kann, war es auch gar nicht schwer, der Sprache zu folgen. Naja, manchmal schon, aber es reichte aus, um alles zu verstehen.
    Cooler Film! Den werde ich sicher noch oft ansehen und auch meinen Freunden empfehlen 🙂
    LG
    Phillipp

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    • Janine

      Heyas Philipp!

      Es freut mich sehr, dass Dir mein Beitrag gefallen hat. Und noch mehr freue ich mich darüber, dass Dir „Dorkness Rising“ so viel Freude bereitet, dass Du den Film sogar Deinen Freunden weiter empfiehlst 🙂 Sehr schön! Ich finde, der Film hat es wirklich verdient, gemocht und empfohlen zu werden. Demnächst werde ich hier einen weiteren Film vorstellen – ich bin gespannt, ob Du diesen auch so sehr mögen wirst.

      Rollenspielerische Grüße
      Janine

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